Herbert Fuchs – Handarbeit für die Füße

Von SZ-Redakteurin Claudia Emmerich

Schuhmacher wie Herbert Fuchs arbeiten auch im digitalen Zeitalter noch mit Nadel und Zwickzange (Veröffentlicht am 05.09.2013)

Ottweiler. „Schuhmacher wird man weiter brauchen“, meint Herbert Fuchs vom alteingesessenen Meister-Betrieb in Ottweiler. „Nicht mehr unbedingt für Reparaturen“, fügt der 58-Jährige hinzu. Das Schuhmacherhandwerk spüre die Konkurrenz von Schnell-Reparaturbetrieben, von Wegwerf-Mentalität. „Aber Nischen zum Überleben sind da.“ Beispielsweise auch Täschner- oder Sattler-Arbeiten.Das Fuchssche „Schuhparadies“ in der Wilhelm-Heinrich-Straße jedenfalls ist breit aufgestellt. Orthopädie-Schuhtechnik, Maßschuhe, Innenschuhe (um damit in normale Schuhe schlüpfen zu können), Konfektionsschuh-Korrekturen (etwa Höhenausgleich), Einlagentechnik, Schuhreparatur und –service, medizinische Fußpflege (zwei Mal die Woche ist eine Fußpflegerin im Haus), Spezialbandagen, orthopädische Hilfsmittel (etwa Druckschutz), Schuhverkauf – so liest sich das Portfolio. „Wir setzen auf Qualität“, sagt der Inhaber. Im letzten Jahr gab es auch die Fünf-Sterne-Zertifizierung durch die Innung.

„Als mein Vater Landesinnungsmeister war, hatten wir noch rund 40 Meisterbetriebe“, erzählt Herbert Fuchs beim Besuch unserer Zeitung. „Heute sind es knapp 20.“ Und wenn die heutigen Meister in Ruhestand gingen, werde die Zahl wohl noch weiter sinken.

Herbert Fuchs senior (Jahrgang 1919) hatte eine Schuhmacher-Werkstatt in Neumünster. Sohn Herbert (Jahrgang 1954) begann 1969 seine Lehre in einem Neunkirchen Betrieb. 1978 machte er in Hannover den Meister als Orthopädischer Schuhmacher. Dieses Standbein wollte er auch zu Hause ins Geschäft einbringen. Der Meister als Schuhmacher kam hinzu.

„1977 ist mein Vater in die Wilhelm-Heinrich-Straße 7 umgezogen, ein reiner Schuhmacher-Betrieb mit Bequemschuhen“, erzählt Herbert Fuchs weiter. Die Werkstatt in Neumünster behielt er. Der Sohn arbeitete in Ottweiler und Friedrichsthal und versuchte, als „Orthopädischer Schumacher“ Kunden zu gewinnen. Zunächst führte Herbert Fuchs den väterlichen Betrieb, 1990 übernahm er mit Ehefrau Gabi das Geschäft. Acht Jahre später folgte der Umzug in die Wilhelm-Heinrichstraße 11. Fortgeführt wird die Familientradition wohl nicht: „Die Tochter hat sich für einen anderen Berufsweg entschieden.“

Schuhe machen ist Handarbeit für die Füße, das ahnt man beim Besuch der Werkstatt unterm Laden. Trotz aller maschinellen Hilfen. Fürs Foto greift Herbert Fuchs zur Zwickzange: „Damit ziehe ich das Oberleder über den Leisten.“ Fuchs bildet noch ganz klassisch den Fußabdruck auf Rasterpapier ab, zeichnet Maßpunkte ein, misst den Umfang, bestellt einen Rohling, bearbeitet diesen nach seinem Aufmaß. Doch klar, auch in diesem Handwerk hat das digitale Zeitalter längst begonnen: Fuß einscannen, Daten einschicken, angepassten Leisten in Empfang nehmen.

Geklebt wird inzwischen viel in seinem Handwerk, aber Herbert Fuchs mag die Nadel: „Was für mich einen Maßschuh ausmacht, ist mit der Hand den Schaft an die Sohle nähen“, sagt Fuchs. Sich selbst passt der Meister solche Schuhe auch an. Seiner Ehefrau nicht: „Die konnte ich bisher noch nicht überzeugen.“

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